
Hach. E10. Was für ein schönes Thema. Neben der Eurokrise und der Inkompetenz der deutschen Regierung hat sich E10 zum Dauerlagerfeuerthema 2011 entwickelt. Wunderbar.
Um nach der etwas E10-ruhigen Sommerpause wieder etwas zu berichten zu haben, hat der ADAC einen Test durchgeführt. Das passt auch vom zeitlichen Rahmen her irgendwie prima. Denn nachdem die Ölkonzerne die Einführung von E10 nach den ersten drei Monaten für gescheitert erklären mussten stehen sie jetzt, nach den Ferien, vor einem zweiten Anlauf und wollen nochmals versuchen E10 in deutsche PKW-Tanks zu bekommen.
Der ADAC also, des Deutschen liebster Automobil-Club, hat herausfinden wollen, was nun dran ist am “motorfressenden Vernichtungstrank”. Also nahm man einen explizit als nicht E10-tauglich benannten Opel Signum (gebaut zwischen 2003 und 2008), befüllte ihn munter mit dem neuen Biosprit und fuhr.
Nach 16 000 Kilometern veröffentlichte man eine Pressemeldung. Darin zu lesen: “Mehr als 16 000 Kilometer [..] ohne negative Folgen mit dem neuen Biokraftstoff überstanden. Eine Inspektion des Kraftstoffsystems ergab keinen Hinweis auf die befürchtete Ethanolkorrosion.” Und weiter: “Der ADAC empfiehlt den Fahrzeugherstellern, ihre Empfehlungen bei Fehlbetankungen mit E10, die häufig in einem aufwendigen und kostspieligen Werkstattaufenthalt münden, zu überprüfen.”, auch wenn man direkt einschränkt: “Trotzdem empfiehlt der ADAC, die verbindlichen Angaben der Hersteller zu befolgen.”.
Klang nicht schlecht, am 10. Juni 2011.
Nun hat der ADAC in seiner Mitgliederzeitschrift den Test mit dem Signum ausgewertet. Ergebnis: “Autofahrer sollten Super E10 nur dann tanken, wenn ihr Modell seitens des Herstellers offiziell für den neuen Kraftstoff freigegeben ist.” Und wieso? Weil: “Nach 27 000 gefahrenen Kilometern wurde die Benzinpumpe undicht. Damit ist nachgewiesen, dass der höhere Ethanolgehalt im E10 tatsächlich ungeeignet und dafür nicht freigegebene Motorenteile angreift.”
Nun. Also .. “Damit ist nachgewiesen”, klingt ein wenig wie: “Wir schätzen, es könnte sein ..”. Aber gut. Belassen wir es dabei. Allein aufgrund dieses Berichts allerdings ist der Autofahrer von heute weder besser noch schlechter informiert als vorher. Richtig schlau wäre es gewesen zwei Signum antreten zu lassen. Ohne Referenzfahrzeug ist der Test nur halb so ergiebig. Vor allem aber ist die Verunsicherung des normalen Autofahrers damit nicht weg. Denn mal abgesehen davon, dass die wenigsten 27.000 Kilometer in einem so kurzen Zeitrahmen schaffen, als dass nachvollziehbar ist, ob der Schaden nun in Zusammenhang mit der E10-Betankung fällt oder nicht. Es ist eher, dass die meisten Fahrer denkten: “Wenn die Hersteller manche Autos von der E10-Tauglichkeit ausschließen, was macht mein Autos besser oder schlechter? Und was garantiert mir, dass mein Auto nicht auch Schäden erleidet, die ein E10-’Untaugliches’ Auto bekommen kann?” Diese Frage hat der ADAC-Bericht nicht geklärt. Im Gegenteil. Den Angaben der Hersteller werden dadurch nicht mehr sondern eher noch weniger Fahrer trauen als vorher. Vielen E10-Skeptikern dürfte der Bericht aktuell noch mehr in die Karten spielen.
Überhaupt ist das Thema E10 ein sehr “lustiges”. Die Einführung des Sprits mit erhöhtem Bio-Anteil wurde vor einigen Jahren beschlossen & wurde bereits 2009 in Frankreich und Schweden durchgeführt. Eine Einführung in Deutschland wurde, aufgrund einer EU-Richtlinie, bereits im selben Jahr (2009) beschlossen. Statt bereits vorher aufzuklären – auch von Seiten der Hersteller – gab es Anfang 2011 zur Einführung eine kleine Panik(mach)-Welle. Jetzt sitzen die Ölkonzerne auf E10, bekommen ihn nicht los und werden die Strafzahlungen, welche die verspätete, flächendeckende Einführung bzw. der vereinbarte Mindestabsatz von E10 dank Gesetz mit sich bringen wird, auf den Kunden umschlagen. Da beißt sich eine Schlange in den Schwanz.
Auf dem E10 werden die Tankstellen noch eine Weile sitzen bleiben. Zum einen schaffen Tests wie der des ADAC nicht unbedingt Vertrauen. Zum anderen ist es für den Normal-Menschen einfach nicht ersichtlich, was einen Motor jetzt E10-tauglich macht oder nicht. In den Listen mit E10-Verbot mischen sich lustig Modelle mit den Baujahren 1980, 1990 mit neuere Modelle wie eben dem Signum, den Golf IV Variant bis Baujahr 2006 oder den Seat Ibiza ab Baujahr 2008. Und genau das ist der Faktor der Verunsicherung.
Man kann über E10 streiten – er ist ökologischer wie technologischer Schwachsinn. Dass man es nicht schafft, die Deutschen von den positiven oder unbedenklichen Aspekten zu überzeugen, hat allerdings schon etwas sehr amüsantes …